Joseph Höffner

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Joseph Höffner (* 24. Dezember 1906 in Horhausen im Westerwald, † 16. Oktober 1987 in Köln) war ein deutscher katholischer Theologe, Kardinal und Erzbischof von Köln, der von 1951 bis 1962 in Münster als Hochschullehrer und anschließend bis 1969 als Bischof wirkte.


Inhaltsverzeichnis

Leben

Joseph Höffner kam am 24. Dezember 1906 in Horhausen (Kreis Altenkirchen) im Westerwald in einer kinderreichen Bauernfamilie zur Welt. Er besuchte 1922-1926 das humanistische Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier und wohnte in dieser Zeit im dortigen katholischen Internat. Anschließend studierte er (1926 bis 1934) an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Philosophie und Theologie. 1929 promovierte er dort zum Doktor der Philosophie. Nach der Priesterweihe in Rom am 30. Oktober 1932 setzte er seine Studien fort, erwarb das Baccalaureat des Kirchenrechts und promovierte 1934 zum zweiten Mal, diesmal zum Doktor der Theologie.

Von 1934 bis 1937 arbeitete Höffner als Kaplan in Saarbrücken, ging aber 1937 an die Universität in Freiburg im Breisgau, erwarb dort erneut den Titel eines Dr. theol. (1938), studierte dann Volkswirtschaft, erwarb 1939 das Diplom in diesem Fach und promovierte 1940 bei dem angesehenen Nationalökonom Walter Eucken zum Dr. rer. pol. Bis 1987 blieb er der einzige Deutsche, der sich vierfach promoviert hatte.

Gleichzeitig zu seinen Forschungsarbeiten übernahm Joseph Höffner 1939 eine Seelsorgestelle in Kail an der Mosel und war von 1943 bis 1945 Pfarrer von Heilig Kreuz in Trier. 1944 habilitierte er sich an der Universität Freiburg im Breisgau und wurde 1945 Professor für Pastoraltheologie am Priesterseminar in Trier und später für Christliche Gesellschaftslehre an der neu eingerichteten Theologischen Fakultät in Trier.

Von 1951 bis 1962 lehrte Höffner an der Westfälisch Wilhelms-Universität in Münster Christliche Sozialwissenschaften. Bei seiner Berufung erbat er sich die Gründung des "Instituts für Christliche Sozialwissenschaften", das er in den folgenden Jahren zum größten und bedeutendsten Institut dieser Disziplin in Deutschland und Europa ausbaute. Während der fünfziger Jahre gehörte Höffner verschiedenen Gremien und Beiräten an. So leitete er u. a. das Sozialreferat im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und war geistlicher Berater des 1949 gegründeten Bundes Katholischer Unternehmer (BKU). Er war wissenschaftlicher Politikberater der Bundesministerien für Familien- und Jugendfragen, für Wohnungsbau und für Arbeit und Sozialordnung. Er war beteiligt an den von Konrad Adenauer in Auftrag gegegebenen, sozialpolitisch wegweisenden Gutachten "Neuordnung der sozialen Leistungen" (1955). 1954 berief ihn der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Karl Arnold zum Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, der heutigen Akademie der Wissenschaften.

Seit 1955 gab er die Schriften des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften" heraus und 1960 begründete er das "Jahrbuch des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften", das von seinen Nachfolgern Wilhelm Weber, Franz Furger und Karl Gabriel fortgesetzt wird.

Am 9. Juli 1962 wurde der Theologe und Hochschullehrer von Papst Johannes XXIII. zum Bischof von Münster ernannt. Seine Inthronisation als Bischof fand am 14. September 1962 an. Am Tag seiner Bischofsweihe ernannten den verdienstvollen und hochgeschätzten Wissenschaftler die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zum Honorarprofessor. Als Münsteraner Bischof war er Teilnehmer am II. Vatikanischen Konzil, trat dort als einer der wenigen sozialwissenschaftlichen Experten hervor und arbeitete in der Konzilskommission für die Seminare und Schulen mit.

Im Dezember 1968 wurde Höffner zum Koadjutor des Kölner Erzbischofs Frings ernannt, dessen Rücktrittsgesuch aus Altersgründen Papst Paul VI. nur zögernd angenommen hatte. Am 23. Februar 1969 wurde Höffner Frings’ Nachfolger als Erzbischof von Köln und zur gleichen Zeit Titular-Erzbischof und Patriarch von Aquileja. Dieser Ernennung folgte am 28. April 1969 die Erhebung zum Kardinal. Seine römische Titularkirche als Kardinalspriester war Sant' Andrea della Valle. Im September 1976 wurde er zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt und 1982 in dieses Amt wiedergewählt.

In politischen und kirchenpolitischen Dinge verfocht Joseph Höffner einen an den katholischen Traditionen ausgerichteten Kurs. So vertrat er entschieden eine Beibehaltung des Zölibats und trat in den Auseinandersetzungen um eine Reform des § 218 StGB gegen jede Form eines legalisierten Schwangerschaftsabbruchs auf. Höffner warnte aber auch schon zu Beginn der achtziger Jahre vor den Folgen eines rücksichtslosen Ausbaus der Atomenergie.

Joseph Höffner starb am 16. Oktober 1987 in Köln an einem Gehirntumor. Einen Monat zuvor hatte ihn Papst Johannes Paul II. von seinen Amtspflichten entbunden, worum ihn Höffner im Sommer angesichts seines Gesundheitszustandes zum dritten Mal gebeten hatte. Er fand seine letzte Ruhestätte in der Krypta des Kölner Doms.

Ehrungen und Auszeichnungen

Mehrere Universitäten weltweit verliehen Joseph Höffner den Titel eines Doctor honoris causa:

Außerdem war Höffner Träger

2002 gründete sich die Joseph-Höffner-Gesellschaft mit Sitz in Bonn, die sich dem Andenken und dem Werk des Theologen widmet.

Am 31. Oktober 2003 wurden Joseph Höffner posthum und seiner Schwester Helene Hesseler-Höffner von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel der Ehrentitel Gerechter unter den Völkern verliehen, weil sie während des Nationalsozialismus die siebenjährige Esther Sara Meyerowitz in der Pfarrei in Kail an der Mosel verborgen hatten.

2008 wurde der Platz vor den Kölner Domtürmen in Kardinal-Höffner-Platz benannt.

Literatur

Werke zu Joseph Höffner

Werke von Joseph Höffner

Weblinks

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